Buchhandel
Buchhandel
Buchhandel in der Volksrepublik China
Transformationsprozess
Die Öffnung des Vertriebs ist in den letzten Jahren schnell vorangegangen und ist bereits deutlich weiter, als dies bei der Verlagsarbeit der Fall ist. Diese Maßnahmen waren nach dem Beitritt der Volksrepublik zur WTO nötig, um den damit verbundenen Verpflichtungen nachzukommen.
Im Jahr 2003 sind zwei entscheidende Gesetze für die Buchbranche in Kraft getreten:
Die "Regelungen für ausländische Investitionen im Distributionsbereich von Büchern, Zeitungen und Zeitschriften“ erlauben die ausländische Beteiligung im Bucheinzelhandel. Eine schnelle Wirkung des Gesetzes zeigte sich in der 40-prozentigen Beteiligung der DirectGroup Bertelsmann an der Pekinger 21st Century Book Chain, der ersten von der Regierung anerkannten privaten Buchhandelskette Chinas.
Die "Vorschriften für den Publikationsmarkt“ dokumentieren einen politischen Durchbruch für das Inland: Zum ersten Mal werden staatliche und private Investoren gleichberechtigt behandelt. Denn nach diesem Gesetz steht der Buchdistributionsmarkt allen chinesischen Investoren offen. Es zählt allein das Einstiegskapital.
Der Beweggrung für diese Maßnahmen ist das Vorhaben, die staatliche Xinhua-Buchhandelskette in allen Provinzen und Städten so schnell wie möglich in Aktiengesellschaften umzuwandeln. Und dazu wird privates Kapital benötigt.
Im Dezember 2004 soll auch der Großhandel für ausländische Investitionen geöffnet werden. Bis Ende 2006 verbleiben jedoch Einschränkungen, die ausländische Investitionen bei Buchhandelsketten mit mehr als dreißig Filialen betreffen.
Staatlicher und privater Sektor
Faktisch teilt sich der staatliche Markt den Sortimentsbereich schon längst zur Hälfte mit dem privaten Sektor. In absoluten Zahlen sind jedoch immer noch die staatlichen Buchhandlungen tonangebend: Im Jahr 2003 übernahmen die staatlichen Xinhua-Unternehmen den Vertrieb von 75,6 % aller Exemplare, was einem Anteil von 65 % am Gesamtumsatz entspricht. (Quelle: China Statistical Data Collection of Press and Publication 2004) Dabei ist aber zu berücksichtigen, dass der Vertrieb von "textbooks“ - fast die Hälfte aller Exemplare des gesamten chinesischen Buchmarkts - offiziell noch nicht privaten Händlern überlassen wird, sondern nach wie vor ein staatliches Monopol ist, so dass die absoluten Zahlen die Realität verzerrt darstellen.
Vertriebssystem
Da der Vertrieb in China vollkommen anders funktioniert als in Deutschland, ist es häufig missverständlich, die deutsche Terminologie zu verwenden. So gibt es beispielsweise kein chinesisches Pendant zum deutschen Bar-Sortiment, die sogenannten "Logistikcenter“ (wuliu zhongxin) entwicklen sich jedoch allmählich zu einer solchen Einrichtung.
Der chinesische Buchmarkt hat noch einen gravierenden Mangel, und das ist das fehlende nationale Vertriebsnetz. Buchhandlungen sind nur in großen Städten stark vertreten, die einzelnen Vertriebsnetze arbeiten in der Regel regional auf Provinzebene, so dass es manche Titel, die in regionalen Verlagen veröffentlicht werden, nicht über die Provinzgrenze hinaus schaffen. In diesem Zusammenhang haben die mehrmals pro Jahr stattfindenden Buchbestellmessen, eine Besonderheit des chinesischen Buchmarktes, eine herausragende Bedeutung. Diese Methode, um den Mangel eines landesweiten Vertriebsnetzes zu kompensieren, besteht bereits seit vielen Jahren. Erst in letzter Zeit kam es darüber hinaus zum einem zur Einrichtung der oben erwähnten Logistikcenter - das erste und größte solche Zentrum gehört zur Jiangsu Xinhua Distribution Group -, zum anderen zum forcierten Aufbau von Buchhandelsketten mit vielfältigen Kapitalstrukturen. Trotz dieser Bemühungen existiert in China auch in absehbarer Zeit kein Bestellsystem, wie wir es in Deutschland kennen. Dies hängt aber auch damit zusammen, dass es in China keine Buchpreisbindung in unserem Sinne gibt. Man findet zwar aufgedruckte Preise auf fast allen Büchern, es werden jedoch oftmals Rabatte gewährt.
Das unausgegelichene Vertriebsnetz spiegelt sich in den Verkaufszahlen wider, bei denen jedoch auch das stark differierende durchschnittliche Jahrseinkommen zwischen Stadt und Land berücksichtig werden muss: Die Städter, ein Drittel der chinesischen Bevölkerung, kauften 70 % aller landesweit verkauften Veröffentlichungen. Insgesamt wurden in China im vergangenen Jahr 6,8 Mrd. Bücher verkauft, was 3,3 % weniger waren als im Vorjahr.
Import & Export
Im Jahr 2003 ist nach Angaben der GAPP der Buchexport im Vergleich zum Vorjahr deutlich gestiegen. Der Exportumsatz belief sich auf US $ 23,7 Mio., was einem Zuwachs von 26 % entspricht. Nach China importiert wurden im selben Jahr Bücher und elektronische Produkte im Wert von US $ 157,2 Mio. (Quelle: China Statistical Data Collection of Press and Publication 2004)
Mittlerweile gibt es auf dem chinesischen Buchmarkt nach offiziellen Angaben etwa 40 chinesische Import- und Exportunternehmen, die alle staatlich und meist an Verwaltungsorgane auf Provinzebene angegliedert sind. Das größte Unternehmen in diesem Bereich ist die China National Publications Import & Export Corporation mit Hauptsitz in Peking und Repräsentanzen in Frankfurt, London, Moskau, Tokyo und New Jersey. Die sechs weiteren marktbeherrschenden Unternehmen sind:
- China International Book Trading Corporation
- China National Publishing Industry Trading Corporation
- China Educational Publications Import & Export Corporation
- China National Sci-Tech Information Import & Export Corporation
- Beijing Publications Import & Export Corporation
- Shanghai Book Traders
Online-Buchhandel und Buchklubs
Der Internetbuchhandel nimmt eine immer wichtiger Position innerhalb des chinesischen Buchhandels ein. Zu den größten Anbietern zählen das Chinesisch-amerikanisch-japanische Joint Venture Dangdang.com und das kürzlich von Amazon aufgekaufte Joyo.com.
Buchklubs spielen bisher noch keine ausgeprägte Rolle. Bertelsmann gründete 1997 in Shanghai den ersten Buchklub in China. Er ist mit etwa 1,5 Mio. Mitgliedern der größte chinesische Buchklub und das erste Joint-Venture in diesem Bereich. Für die kommenden Jahren werden zunehmend ausländische Invesitionen erwartet.



